16. Juni 2025

Von Rubina Kapahnke
Kennst du das? Du betrittst den Raum, und auf einmal herrscht absolute Stille. Die Gespräche versiegen, Blicke weichen aus, und dein Team scheint plötzlich sehr konzentriert auf ihre Bildschirme zu starren, selbst die, die eigentlich grade Papierkram erledigen. Falls du dich fragst, ob dein Deo versagt hat: keine Sorge, daran liegt es nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, sich eine andere Frage zu stellen: Bin ich in meiner eigenen Firma der Antagonist geworden?
Gute Führungskräfte inspirieren, schlechte Führungskräfte… nun ja, sie hinterlassen Spuren, allerdings oft in Form von Frust, Stress und quiet quitting. Manchmal geschieht das schleichend: Du startest mit den besten Absichten, willst Ordnung reinbringen, die Performance steigern und am Ende das Unternehmen nach vorne bringen. Doch auf einmal bist du nicht mehr der Mentor, sondern der Boss, vor dem alle zittern.
Die Frage ist: Wie kommt es dazu?
Es beginnt oft mit kleinen Dingen: Du willst sicherstellen, dass alle effizient arbeiten, also werden Prozesse engmaschiger überwacht. Ein zusätzlicher Status-Call hier, eine Extra-Mail zur Erinnerung dort, ein paar kritische Kommentare im Team-Chat und schwupps, betreibst du Micro-Management, was das Team lähmt statt motiviert.
Der Unterschied zwischen einer starken Führungskraft und einem Kontrollfreak? Vertrauen. Dein Team weiß was es tut, sonst hättest du es ja nicht eingestellt. Und wenn sie wirklich ständig nachfragen, ob ihre Entscheidungen okay sind, dann solltest du dir überlegen, ob du ihnen das nötige Selbstvertrauen gibst, oder ob du durch deine Bemühungen unbewusst jede Idee im Keim erstickst.
Hinterfrage dich selbst: Ermutigst du dein Team dazu, eigene Entscheidungen zu treffen, oder hast du ein Klima geschaffen, in dem sie Angst haben, Fehler zu machen? Wenn deine Mitarbeitenden nur noch nach Bestätigung suchen, bevor sie auch nur die kleinste Entscheidung treffen, dann könnte das daran liegen, dass sie gelernt haben, dass jeder Fehler Konsequenzen hat, und sei es nur ein genervter Kommentar oder eine subtile Abwertung. In so einer Umgebung geht Kreativität verloren, Eigeninitiative verdunstet und dein Team bewegt sich nur noch auf sicherem Terrain. Doch Innovation entsteht nicht in der Komfortzone, sondern dort, wo man sich auch mal traut, Risiken einzugehen.
Ein weiteres Warnzeichen: Deine Meetings fühlen sich an wie Monologe in einem Ein-Personen-Theaterstück. Du redest, dein Team nickt (mehr oder weniger enthusiastisch), aber wirklich mitreden tut keiner. Warum? Weil sie gelernt haben, dass Widerspruch entweder ignoriert oder schlimmer noch, negativ ausgelegt wird. Glückwunsch, du hast das perfekte Rezept für ein Ja-Sager-Team geschaffen. Leider ist das langfristig gesehen ungefähr so effektiv wie ein Bosskampf, bei dem man mit nur einem halben Lebensbalken und ohne Heiltränke gegen den schwersten Gegner antritt: Du kämpfst dich ab, deine Bemühungen sind zum Scheitern verurteilt.
In den besten Videospielen gibt es oft einen helfenden Charakter, der dir Tipps gibt oder dir zeigt, wo der geheime Pfad ist, dein Team kann dieser Charakter sein. Aber nur, wenn du ihnen auch die Möglichkeit gibst, ihre Stimme zu erheben, ohne Angst zu haben, dass sie danach aus dem Spiel geworfen werden.
Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, dann keine Panik, du bist nicht allein. Führung ist ein Lernprozess, und auch erfahrene Leader tappen immer mal wieder in diese Fallen. Das Gute ist: Du kannst jederzeit umsteuern. Agilität bedeutet nicht nur, dass dein Team sich schnell anpasst, sondern auch, dass du als Führungskraft bereit bist, deine Rolle zu reflektieren und anzupassen.
Worauf wartest du also? Hör deinem Team zu, gib Vertrauen statt Kontrolle und werde wieder die Führungskraft, die dein Team verdient, statt der Endgegner, den es fürchtet. 😊
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