2. März 2026

Von Noemi Kirschbaum
“Lebenslanges Lernen” wird von vielen Menschen im Mund geführt. Vielleicht fragst du dich aber, wann genau das noch in deinen Alltag passen soll. Und: lernst du nicht sowieso jeden Tag in deinem Job?
Es stimmt: wenn wir in unserem Arbetisalltag reflektieren können wir aus diesen Situationen schon viel mitnehmen. Wie gehe ich mit Konfliktsituationen um? Wie haben die Kunden auf das neueste Delivery reagiert? Auf welche Problem sind wir im letzten Sprint gestoßen, wie könnten wir die lösen?
Alle diese Fragen führen zu einem Lernerlebnis, ganz ohne Klassenzimmer oder Zertifikat.
Bevor wir also zu der Frage kommen, welche Methode die richtige ist: warum wollen wir noch zusätzlich lernen?
Für mich persönlich ist Weiterbildung stark mit Neugier und Weiterentwicklung verbunden. Der Gedanke: “Gibt es vielleicht noch mehr da draußen?” – andere Lösungen, die mir in meiner Komfortzone noch unbekannt sind. Andere Methoden, Konzepte, Ideen, Denkweisen, mit denen ich noch nicht in Berührung gekommen bin.
Für andere ist es eine Frage der Karriere: bestimte Zertifikate und Abschlüsse sollen “beweisen” das man ready ist für den nächsten Schritt.
Was ist deine Motivation zu lernen:
Die klassische Weiterbildung, egal ob online oder vor Ort, ist geprägt durch:
Der Vorteil ist, dass du dich im vornherein schon informieren kannst, ob dir die Inhalte passen. Ist es wirklich etwas neues oder kennst du die Inhalte bereits? Vorgegebene Lernziele sind Motivation nicht einfach nur Information anzusammeln, sondern was du damit tatsächlich erreichen kannst. Die externe Begleitung ist für dich Mentor und Coach (im Idealfall): jemand auf dessen Mehrwissen du bauen kannst, der dich aber auch als Individuum sieht. Dich in deinenZielen unterstützt und einen Überblick über deinen eigenen Tellerrand hinaus bietet.
Gerade für Menschen, die sich selbstständig neues Wissen beibringen ist es von Vorteil, dass sie zeitlich flexibel arbeiten können. Die eigene Lerngeschwindigkeit wird nicht durch eine Gruppe oder einen Lehrplan vorgegeben. Dafür ist meist ein gewisses Vorwissen notwendig, um den Lernplan eigenständig zu gestalten.
Und um diesem Plan zu folgen, braucht es entsprechend auch eine gewisse Disziplin. Die ist in einer Weiterbildung auch nötig, wird aber durch Termine und Vorgaben auch extern eingefordert.
Einen formalen Abschluss bietet ein autodidaktisches Lernvorhaben dann, wenn ein Kursbesuch nicht Voraussetzung für ein Zertifikat ist. Ein Beispiel dafür kann auch die Zertifikatsprüfung für den Professional Scrum Master 1 und 2 bei scrum.org sein: die Prüfung kann jede Person ablegen, die die Prüfungsgebühr zahlt.
Ob du für die Prüfung gut vorbereitet bist, kannst du beispielsweise testen, wenn du in unserer Lernapp dafür übst.
Ein autodidaktisches Lernen ist also geprägft durch:
Oben haben wir es bereits beschrieben: Lernen in der Praxis. Das heißt:
Stark vom Umfeld abhängig ist zum Beispiel auch die Fehlerkultur. Werden Fehler wirklich als Lehrmeister angesehen oder etwas, das es zu vermeiden gilt. Wenn Fehler als allererstes vermieden werden sollen, gibt es vermutlich lange Zeiten hin zu Entschiedungen oder hin zu Aktion. Alles will durchdacht und bedacht worden sein, bevor wir etwas falsch machen. Für Learning by Doing ist es wichtig ausprobieren zu dürfen. Was passiert, wenn ich X mache. Nicht als theoretisches Gedankenspiel, sondern als konkretes Experiment, dessen Ergebnisse ich ansehen und analysieren darf. Ohne Repressalien, weil das Ergebnis nicht das ist, was wir uns gewünscht hätten.
Jede dieser Lernformen hat ihre eigene Stärke. Und jede hat ihre Grenzen.
Struktur kann entlasten. Sie kann aber auch einengen.
Freiheit kann motivieren. Sie kann aber auch überfordern.
Sicherheit durch ein Zertifikat kann Türen öffnen. Eigeninitiative kann Selbstvertrauen stärken.
Theorie schafft Sprache und Konzepte. Erfahrung schafft Intuition und Handlungssicherheit.
Geschwindigkeit kann Energie bringen. Tiefe braucht Zeit.
Keine dieser Dimensionen ist per se besser. Sie wirken unterschiedlich: je nach Situation, Persönlichkeit und Lebensphase.
→ Es geht nicht um Bewertung.
→ Es geht um bewusste Differenzierung.
Wir lernen nicht im luftleeren Raum. Wir lernen als Menschen mit Geschichte, Verantwortung, Ressourcen und Grenzen.
Lernbiografien sind individuell.
Manche Menschen sind durch klare Strukturen gewachsen. Andere durch Freiraum.
Lebensrealitäten unterscheiden sich.
Wer Familie, Pflegeverantwortung oder einen fordernden Vollzeitjob hat, trifft andere Entscheidungen als jemand mit zeitlicher Flexibilität.
Auch Ressourcen spielen eine Rolle: Zeit. Geld. Energie. Mentale Kapazität.
Und dann gibt es noch das persönliche Lernmuster:
Brauche ich Austausch?
Brauche ich Anleitung?
Brauche ich Druck von außen oder Raum von innen?
Kernbotschaft:
Es geht nicht um besser oder schlechter.
Es geht um passend oder unpassend zu deiner Lebensrealität.
Vielleicht kennst du diese Gedanken:
„Ich müsste doch einfach nur anfangen.“
„Andere schaffen das doch auch nebenbei.“
„Ein Zertifikat wäre sicherer.“
„Aber ich will flexibel bleiben.“
Diese innere Ambivalenz ist kein Zeichen von Unentschlossenheit.
Sie zeigt nur, dass mehrere Bedürfnisse gleichzeitig da sind.
Sicherheit und Freiheit.
Struktur und Selbstbestimmung.
Karriere und Alltag.
Überforderung entsteht oft nicht, weil wir zu wenig wissen, sondern weil wir versuchen, alle Bedürfnisse gleichzeitig zu erfüllen.
Statt dich zu fragen, was objektiv am sinnvollsten ist, kannst du dich vielleicht fragen:
Brauche ich gerade äußere Struktur oder innere Freiheit?
Lerne ich besser im Austausch – oder allein?
Gibt mir ein Zertifikat Sicherheit – oder erzeugt es Druck?
Habe ich aktuell Kapazität für Selbstorganisation?
Möchte ich begleitet werden – oder erst einmal ausprobieren?
Nicht jede Frage braucht sofort eine Antwort. Lass sie Ordnung in die Gedanken bringen.
In der Theorie klingt vieles attraktiv.
Ein intensiver Kurs.
Ein selbstorganisiertes Lernprojekt.
Ein mutiges „Ich probiere es einfach aus“.
In der Praxis zählen jedoch andere Faktoren:
Die „beste“ Lernform auf dem Papier ist nicht automatisch die stimmigste in deinem Alltag.
Wenn du ehrlich hinschaust, geht es vielleicht gar nicht primär um Lernen.
Vielleicht geht es um:
Den Wunsch nach
Die Wahl der Lernform ist oft nur die Oberfläche.
Darunter liegen Bedürfnisse, die ernst genommen werden wollen.
Druck reduziert keine Überforderung. Vergleiche schaffen selten Orientierung.
Aber Ehrlichkeit hilft:
Was passt gerade wirklich zu mir?
Was kann ich realistisch leisten?
Was fühlt sich stimmig an (auch wenn es nicht spektakulär ist)?
Die passende Entscheidung wirkt oft unscheinbar. Sie fühlt sich nicht wie ein radikaler Neustart an, sondern wie ein logischer nächster Schritt.
Und vielleicht ist genau das ein gutes Zeichen.
Wenn du merkst, dass du Struktur brauchst, ist das eine wichtige Erkenntnis.
Wenn du feststellst, dass du Freiheit brauchst, ebenso.
Manchmal beginnt Klarheit nicht mit einer Entscheidung sondern mit dem Verständnis für die eigene Situation.
Wenn du dir einen Sparringspartner wünscht um an deiner Klarheit zu arbeiten, melde dich gerne bei uns.
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