Lernziele in der Weiterbildung: Warum Klarheit wichtiger ist als Tempo

12. Januar 2026

Von Noemi Kirschbaum

Warum Lernziele Orientierung geben

Wozu lernen wir eigentlich?

Die Antwort scheint erstmal offensichtlich: um besser zu werden. Wenn wir Glück haben, macht das Lernen auch Spaß, aber vor allen Dingen möchten wir einen unmittelbaren Nutzen für uns spüren.

Aber woher weiß ich denn, wohin ich will? Was bedeutet es, “ausreichend qualifiziert” zu sein? Muss ich gleich einen Doktor machen oder reicht es mir, grundlegendes Wissen über das Thema zu erlangen?

Setz dir Lernziele, um Klarheit darüber zu bekommen. Was nicht klar definiert ist, kann auch nicht erreicht werden. Und wo keine Grenze gesetzt ist, gibt es mehr und mehr Berge an Wissen, die nie ganz erschlossen sind. Die Arbeit hört also nie auf. Und wer bekommt so schon Lust, sich in ein neues Thema einzuarbeiten?

Lernziele in der Erwachsenenbildung

Die offizielle Definition für Lernziele lautet: Verständnispunkte, die Lernende nach Abschluss eines Lernprozesses (z. B. einer Unterrichtseinheit) erworben oder entwickelt haben sollen. Sie geben einen roten Faden vor und machen den Erfolg des Lernens messbar.

Lernziele eines angehenden Scrum Masters können sein: “Ich erinnere mich an die fünf Scrum-Werte” oder “Ich definiere den Unterschied zwischen Framework und Methode”.

Ist der Lernprozess umfangreicher, wie zum Beispiel in einer längerfristigen beruflichen Weiterbildung:

“Ich übertrage das Prinzip der iterativen Verbesserung auf meinen Arbeitskontext”

oder

“Ich befähige ein Team dazu, selbstorganisiert und motiviert zu arbeiten”.

Der Wert von Lernzielen

Ob kurz- oder langfristige Lernziele – wichtig ist, dass

  • sie Wert für uns haben,
  • wir diesen Wert in unserem Arbeitskontext wiedererkennen
  • und nicht zuletzt, dass sie uns persönlich interessieren.

Letzteres klingt vielleicht zunächst banal, es bestimmt aber, wie viel Energie und Aufwand wir bereit sind, in ein Thema zu investieren. Ein Thema, das dich nicht reizt, wird keine Chance haben, ausreichend Platz in deinem Lernprozess einzunehmen. Weil andere Themen attraktiver sind, wird es ganz automatisch in den Hintergrund treten.

Lernziel und Lernerfolg

Du kannst auch darüber nachdenken, was für dich persönlich einen Lernerfolg darstellt. Dabei darf deine individuelle Empfindung wichtiger sein als das, was üblicherweise als Erfolg gewertet wird. Ausschlaggebend ist, welche Anwendungsbereiche du mit dem neuen Wissen komplementieren möchtest: Möchtest du eine neue Berufsbezeichnung nutzen können, Arbeitsprozesse anpassen, Artikel über das Thema verfassen können?

Wie wichtig ist es dir, mit etwas belegen zu können, dass du etwas Neues gelernt hast? In einer Arbeitswelt, in der wir ständig dazu angehalten werden, Häkchen zu setzen und etwas als “Erledigt” zu kennzeichnen, wirken Fähigkeiten, die kein unmittelbar sichtbares Ergebnis erzielen, oft abstrakt oder unattraktiv. Oft ist es aber gerade subtile Veränderungen ohne großflächige Umstrukturierungen, die ein Team entlasten oder eine entspannte, zielführende Arbeitsatmosphäre schaffen können. 

So zum Beispiel die Scrum-Werte: Commitment (Selbstverpflichtung), Mut, Fokus, Offenheit, Respekt. Sie stehen vielleicht auf keinem Papier, doch du behältst sie im Hinterkopf – und bereicherst damit ganz automatisch dein Arbeitsumfeld.

Nimmt dein Lernziel langsam Gestalt an? Lass es uns mithilfe der folgenden sechs Aspekte auf seinen Nutzen überprüfen.

Welche Lernziele Erwachsene wirklich brauchen

Anhaltspunkte, die Lernziele in nachvollziehbaren Schritten (hier Ebenen) darstellen, bietet zum Beispiel Blooms Taxonomie.

Eigene Darstellung

An der Basis steht erinnern. Du kannst Fakten und grundlegende Konzepte abrufen. Du weißt also, wovon jemand spricht, wenn es erwähnt wird.

Nachdem du dich an Grundlegendes erinnerst, verstehst du im nächsten Schritt. Du kannst den Stoff in eigenen Worten wiedergeben und identifizieren.

Anwenden bedeutet, die erlernte Information in neuen Situationen nutzen und umsetzen zu können.

Die Verbindungen zwischen Umständen und Prinzipien, die Verknüpfung von unabhängigen Ideen: du analysierst, was du tust.

Du bist nun auch in der Lage, zu bewerten was getan wird, deine eigene Position zu verteidigen oder andere fundiert zu kritisieren.

Zuletzt bist du basierend auf dem Gelernten in der Lage, eigene Konzepte zu entwickeln und umzusetzen: du schaffst eigenständig.

Lernziele und Praxis. Warum Theorie allein nicht reicht

So weit das Prinzip. Aber Wissen wird nützlich, wenn es anwendbar ist. Und spürbar wird der Lernerfolg erst dann, wenn das Gelernte anhand von praktischen Handlungen umgesetzt werden kann. Beispiel:

Lernziel (Theorie): Ich weiß, dass ein Prinzip der agilen Arbeit “kontinuierliche Kommunikation, Überprüfung und Anpassung der Arbeitsweise des Teams” ist.

Lernziel (Praxis): Ich ermögliche das Scrum-Event der Retrospektive, in dem Teammitglieder ihr Zusammenspiel reflektieren, sich darüber austauschen und gemeinsam Verbesserungsvorschläge entwickeln können.

Oft ist es im Berufsalltag gar nicht so einfach, einen geeigneten Zeitpunkt für die Umsetzung von Gelerntem zu finden. Das Tagesgeschäft bietet wenig Raum, Neues auszuprobieren, oder das Risiko, vielleicht doch etwas falsch zu machen und es dann ausbügeln zu müssen, scheint zu hoch.

Dass es auch anders geht, zeigen beispielsweise die Kurse der KnOot Academy. Hier beugen wir solchen Hemmungen bewusst vor, denn wir glauben, dass Gelerntes in die Tat umzusetzen Teil des Lernprozesses ist. Den Raum, den es dafür braucht, schaffen wir in unseren Praxis-Einheiten, in denen du die vermittelten Inhalte mit einem Team von Teilnehmenden auf dem gleichen Lernstand in einem Projekt anwendest. Fehlermachen erlaubt!

Einige Beispiele für Stationen in deinem Lernprozess beim Thema Scrum:

  • Scrum definieren: verstehen, was ein agiles Framework ist und wie es zur Arbeit an komplexen Projekten genutzt werden kann
  • Rollen definieren: über Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Product Owner, Scrum Master und Development Team bescheid wissen und sie umsetzen
  • Das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung anwenden: durch regelmäßiges Kund*innenfeedback in Events wie Sprint Review Anhaltspunkte zu Verbesserungen ausarbeiten
  • Agile Werte in die Teamarbeit integrieren: Hindernisse in der Zusammenarbeit beseitigen, indem Selbstorganisation und Effizienz gefördert werden

Wie Lernziele Sicherheit für Bewerbungsgespräche schaffen

Zu wissen, was du warum lernen möchtest, gibt nicht nur dir persönlich Sicherheit, sondern hebt auch deine Fähigkeiten hervor und macht dich für neue Arbeitgeber besonders interessant. Eine Situation schildern zu können, in der du dir freiwillig neues Wissen angeeignet hast, vielleicht sogar ohne dass es in deiner Rolle verlangt wurde, offenbart dich als neugierig und intrinsisch lernmotiviert, also ein Teammitglied, von dessen Werten alle profitieren können. Wenn du weißt, dass du dein Lernziel erreicht hast, kommunizierst du direkt, was du tatsächlich kannst und geschafft hast, und das mit mehr Selbstsicherheit.

Lernen ist für dich keine Belastung, sondern ein Antrieb. Dementsprechend kannst du nicht nur ein neues Team bereichern, sondern auch beurteilen, wie wertvoll eine potenzielle Stelle für dich ist. So kannst du bereits im Bewerbungsgespräch klar kommunizieren: Ein Job, in dem Liefern über Wachsen steht, ist nichts für dich. Und zwar nicht, weil ein Arbeitgeber diese Eigenschaft vielleicht sucht, sondern weil es das ist, was du von einem Job erwartest.

Und jetzt?

Die Definition von Erfolg hilft dabei, zu beurteilen, wann du “fertig” bist, erleichtert dir die Kontrolle darüber, wie viel du gelernt hast und lässt dich deinen Lernprozess effizienter planen.

Am Allerwichtigsten: Du steuerst deinen Lernprozess selbst. Du entscheidest, was dir wichtig ist, wie viel Energie in etwas fließt und wohin das Ganze führt, weil du am Ende davon profitieren sollst.

Du möchtest einen Weiterbildungskontext, in dem genau diese Werte nicht nur gepredigt, sondern gelebt werden?

Bei der KnOot Academy stehen deine persönlichen Weiterbildungsziele im Vordergrund. Gerne helfen wir dir auch, sie gemeinsam mit dir konkreter zu definieren. Buche deine kostenlose Kursberatung und lass uns gemeinsam die Stationen deiner Reise festlegen. 

Damit du Entscheidungen triffst, die dich weiterbringen.

Die KnOot Academy ist dein Bildungsträger für geförderte Scrum-Weiterbildungen und agiles Projektmanagement. 100 % förderfähig mit Bildungsgutschein. Persönlich. Praxisnah. Wirksam.