Gekündigt. Und plötzlich ist da Raum, den du nicht sofort füllen musst

4. Mai 2026

Von Noemi Kirschbaum

Nach einer Kündigung sofort den Lebenslauf zu aktualisieren und die Jobbörsen zu besuchen fühlt sich produktiv und tröstend an. Was viele dabei übersehen: Layoffs sind nicht einfach ein Bruch im Alltag. Sie werfen dich aus der Bahn. Und bergen damit auch die Chance für dich und deine Karriere.

Klingt absurd? Lass uns mal genauer hinsehen.

Der Reflex nach einer Kündigung: Hauptsache schnell wieder arbeiten

Klar, von Friedrich Merz bis zu Freunden und Familie sind alle erstmal höchst besorgt. Dieser Druck, egal ob wohlmeinend oder aus falschverstandenem Produktivitätsglauben, wirkt. Er treibt dazu an, sich nicht gehen zu lassen. Auf ein neues Ziel hinzuarbeiten. Hauptsache schnell wieder im Hamsterrad. Denn man kann sagen was man will: das Hamsterrad bietet immerhin eine gewohnte Sicherheit. Oder?

Gerade die Layoffs der letzten Jahre haben doch aber gezeigt, dass eine Festanstellung kein Garant für den Karriereweg bis zur Rente darstellt.

Leider? Ja, vielleicht. Vielleicht war es für die Elterngeneration noch leichter. Aber wenn uns die Jahrzehnte seit der Bankenkrise 2008 eines gezeigt haben, dann das auch im ständigen Wandel und in ständiger Jobunsicherheit noch Chancen bestehen. Und diese Form der Resilienz, sich neu erfinden und neue Möglichkeiten aussuchen wenn die Welt zusammen bricht, ist ein Key Skill für Generation X bis Alpha.

Aber für Resilienz braucht es eines: Zeit. Zeit um die verlorene Sicherheit zu betrauern. Zeit sich mit den Gegebenheiten abzufinden. Und Zeit die Kraft wieder zu finden, um den nächsten Schritt zu gehen. Nicht zuletzt auch Zeit, um das Ziel für diesen nächsten Schritt überhaupt zu definieren.

Denn, und das sei bei allem Gesang auf die nächste Chance, die nächsten Karriereschritt gesagt: es braucht Kraft sich wieder aufzubauen, die Lücke im Lebenslauf selbstbewusst zu vertreten und sich selber zu reflektieren.

Warum schnelle Entscheidungen sich oft erst später als problematisch herausstellen

Weil schnelle Entschiedungen auf Glück beruhen. Und das wirst du nicht lenken können. Ein Bekannter von mir musste schnell einen neuen Job suchen. Kein Arbeitslosengeld, keine Rücklagen, statt dessen College Rechnungen für seine vier Kinder, überteuerte Krankenversicherung, steigende Lebenshaltungskosten (ja, the American Dream). Also: ein schneller nächster Job, der unterhalb seiner Skills lag und erst recht unterhalb des Budgets das er eigentlich verdient hätte und braucht. Und er hatte kein Glück: nur ein Jahr später war er in der gleichen Situation.

Was du aber lenken kannst ist deine Suche nach dem richtigen Job. Nicht dem nächsten. Oder dem bis zur Rente. Sondern dein nächster richtiger Schritt.

Schnelle Entscheidungen beruhen meist darauf, dass wir refelxartig das altbekannte suchen, weil wir keine Alternative sehen. In Deutschland ist es zum Glück etwas anders. Noch.

Wenn du jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast, ist jetzt die Möglichkeit sie zu nutzen. Nicht auszunutzen. Nicht auf der “faulen Haut” liegen. Sondern die harte Arbeit an deiner Zukunft anzugehen.

Das Problem ist nicht die Kündigung sondern fehlende Klarheit

Wenn der Job wegfällt, wirkt es im ersten Moment so, als wäre genau das der Kern des Problems. Der Vertrag ist beendet, das Einkommen bricht weg, der Alltag verändert sich von einem Tag auf den anderen. Es ist greifbar, konkret und lässt sich klar benennen.

Und genau deshalb richtet sich fast die gesamte Aufmerksamkeit darauf.

Was dabei leicht übersehen wird, ist das, was danach entsteht. Kein klarer Bruch, sondern eher ein offener Raum. Und in diesem Raum fehlt oft etwas, das vorher gar nicht so bewusst war: Orientierung.

Viele Menschen stehen nach einer Kündigung nicht am Anfang. Sie haben gearbeitet, Verantwortung übernommen, Projekte begleitet. Manche haben sich weitergebildet, erste Zertifikate gemacht, sich in neue Themen eingearbeitet. Von außen betrachtet ist da viel Substanz.

Doch diese Substanz ist die Basis auf der der weitere Weg aufbaut. Was jetzt fehlt ist dich Richtung für die Weiterentwicklung.

Du weißt, was du schon gemacht hast. Aber nicht unbedingt, wie sich daraus ein nächster sinnvoller Schritt ableiten lässt. Die einzelnen Stationen ergeben noch kein klares Bild. Eher eine Sammlung von Fähigkeiten, die sich nicht sofort zu einer Rolle zusammenfügen.

Das zeigt sich oft in ganz praktischen Situationen. Im Lebenslauf, der sich plötzlich schwer schreiben lässt. In Bewerbungen, die sich unspezifisch anfühlen. In Gesprächen, in denen du merkst, dass du viel erzählen kannst, aber nicht genau das triffst, was gesucht wird. Du führst kein Gespräch, sondern lässt dich treiben in der Hoffnung einen Anker zu finden, der dich hält.

Weil die Verbindung zwischen dem, was du kannst, und dem, was du willst, noch nicht klar genug ist.

Es geht dann nicht mehr nur darum, wieder irgendwo einzusteigen. Sondern darum, zu verstehen, welche Richtung sich wirklich stimmig anfühlt. Welche Rolle zu dir passt. Und welche auf dem Papier sinnvoll aussieht und die auch im Alltag fordert und motiviert.

Solange diese Klarheit fehlt, bleibt eine gewisse Unruhe. Entscheidungen wirken vorläufig. Optionen lassen sich schwer vergleichen. Und selbst ein konkretes Angebot kann sich unsicher anfühlen, weil nicht ganz klar ist, ob es wirklich der richtige Schritt ist.

In diesem Sinne ist die Kündigung oft nur der Auslöser. Sie macht sichtbar, was vorher schon da war, aber im laufenden Betrieb nicht so deutlich geworden ist. Die offene Frage, wie es eigentlich weitergehen soll.

Und genau diese Frage braucht Zeit, weil sie ehrlich beantwortet werden will.

Gerade mit Erfahrung wird die nächste Entscheidung schwieriger

Aber, wenn ich doch schon als UX- Designer oder Scrum Master gearbeitet habe (oder als Transformation Facilitator oder Team Lead oder oder oder), wieso nciht einfach wieder auf die gleiche Position bewerben?

Zum einen, weil Rollen in unterschiedlichen Unternehmen sehr unterschiedlich gelebt werden. Was in einem Kontext als Scrum Master funktioniert hat, kann in einem anderen ganz anders aussehen. Mehr Coaching oder mehr Reporting. Mehr Gestaltungsspielraum oder deutlich engere Grenzen. Gleiche Bezeichnung, aber ein völlig anderer Alltag.

Zum anderen bleibt die Frage ob es das ist was du möchtest. Sollte die Antwort ein Lautes, klares “JA!” sein: Glückwunsch, dann los 

Für alle anderen, die zweifeln oder auch nur ein leises Unbehagen fühlen: lies weiter.

Denn genau dieses Gefühl ist ernst zu nehmen.

Mit wachsender Erfahrung verändert sich auch die Art der Entscheidungen. Es geht nicht mehr nur darum, eine Rolle auszufüllen. Sondern darum, sich bewusst zu positionieren.

Du hast dir im Laufe der Zeit Fähigkeiten aufgebaut. Du hast in unterschiedlichen Situationen gearbeitet, Probleme gelöst, Teams begleitet, Verantwortung übernommen. Daraus entsteht aber nicht automatisch ein klares Bild davon, wie dein nächster Schritt aussehen soll.

Im Gegenteil. Je mehr du kannst, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich.

Und damit auch mehr Unsicherheit.

Viele beschreiben mir diesen Zustand sehr ähnlich. Sie wissen, dass sie nicht bei null anfangen. Aber sie wissen auch nicht genau, worauf sie sich eigentlich fokussieren sollen. Was sie stärker machen wollen. Welche Richtung sich wirklich trägt.

Das ist kein Wissensproblem. Es fehlt nicht an Qualifikation oder an Erfahrung.

Es ist ein Orientierungsproblem.

Und genau deshalb reicht es oft nicht, einfach den nächsten Job zu suchen, der auf den ersten Blick passt. Sondern es braucht einen Moment, in dem du genauer hinschaust, was du eigentlich mitbringst und wohin du damit willst.

Welche Wege dir jetzt wirklich offenstehen

Wenn du an diesem Punkt bist, gibt es keine unendliche Anzahl an Optionen. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

In der Praxis lassen sich die nächsten Schritte meist auf einige wenige Wege zurückführen. Sie unterscheiden sich weniger darin, was möglich ist, sondern darin, wie bewusst du sie gehst.

Ein Weg ist eine gezielte Weiterbildung. Nicht im Sinne von „noch mehr Wissen anhäufen“, sondern als Möglichkeit, die eigene Erfahrung zu strukturieren und zu schärfen. Gerade wenn du schon im Feld gearbeitet hast, kann Weiterbildung dabei helfen, deine Rolle klarer zu fassen, Lücken zu schließen und dich bewusster zu positionieren. Sie schafft einen Rahmen, in dem du nicht nur lernst, sondern auch einordnest, was du bereits kannst.

Ein Beispiel dafür sind bei uns die kleinen Workshops neben dem Hauptthema: Design Thinking oder auch LEGO® Serious Play® lassen es zu dich thematisch zu orientieren. Manche lernen dabei auch gleich neue Methoden. Aber die meisten entdecken, dass in ihrem bestehenden Methodenkoffer die Lösung für ihr Orientierungsproblem steckt. Sie sehen sich und ihre Fähgikeiten mit anderen Augen, aus einer anderen Perspektive.

Und dann gibt es die bewusste Neuorientierung. Ein Schritt, der oft mehr Zeit braucht und nicht immer klar planbar ist. Er entsteht aus dem Wunsch heraus, etwas grundlegend anders zu machen oder sich aus einem Kontext zu lösen, der nicht mehr passt. Dieser Weg wirkt von außen manchmal unsicher, kann aber langfristig die größte Klarheit bringen. Aus den Coachings mit unseren Teilnehmenden wissen wir, dass die größte Veränderung oft nicht die Berufsbezeichnung ist, sondern der Kontext, die Rahmenbedingungen die gewählt werden.

Keiner dieser Wege ist grundsätzlich besser oder schlechter. Der Unterschied liegt darin, ob du ihn aus einem Reflex heraus gehst oder aus einer klaren Entscheidung.

Wann es sinnvoll ist, nicht sofort zurück in den nächsten Job zu gehen

Wenn du schon länger gemerkt hast, dass dich dein Job nicht mehr erfüllt hat, dann war die Kündigung vielleicht nicht nur ein Bruch, sondern auch eine Zäsur. Etwas, das ohnehin in Bewegung war, wird plötzlich sichtbar. In so einem Moment direkt in eine ähnliche Rolle zurückzugehen, kann funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass du genau dort weitermachst, wo es sich vorher schon nicht mehr richtig angefühlt hat.

Ähnlich ist es, wenn deine Rolle bisher unscharf war. Viele haben in den letzten Jahren in agilen Kontexten gearbeitet, Verantwortung übernommen, sich entwickelt. Und gleichzeitig bleibt oft offen, wie genau diese Erfahrung eigentlich einzuordnen ist. Welche Rolle du wirklich ausgefüllt hast. Wofür du stehst. Ohne diese Klarheit wird ein neuer Job schnell zu einer Fortsetzung von etwas, das du selbst noch nicht ganz greifen kannst.

Und dann gibt es die Situation, in der du zwar viel Erfahrung mitbringst, aber keine klare Richtung. Du weißt, was du kannst. Du weißt auch, was du nicht mehr willst. Aber dazwischen liegt ein Feld von Möglichkeiten, das sich nicht sofort sortieren lässt. In solchen Momenten entsteht leicht der Druck, einfach irgendeine Entscheidung zu treffen, nur um diese Unsicherheit zu beenden.

Genau hier kann es sinnvoll sein, nicht sofort zu handeln: aus dem Wunsch heraus, eine Entscheidung zu treffen, die mehr ist als eine Reaktion.

Sich Zeit zu nehmen bedeutet in diesem Kontext nicht, stehen zu bleiben. Es bedeutet, den eigenen nächsten Schritt bewusst vorzubereiten. Zu verstehen, was du mitbringst, was du suchst und in welchem Rahmen das für dich funktionieren kann.

Diese Zeit ist nicht immer angenehm. Sie ist oft von Fragen geprägt, auf die es keine schnellen Antworten gibt. Aber sie schafft etwas, das in der Hektik einer schnellen Entscheidung kaum entstehen kann.

Klarheit.

Und genau diese Klarheit macht den Unterschied zwischen einem nächsten Job und einem nächsten Schritt.

Weiterbildung ist der strukturierte Neustart

Wenn es um den nächsten Schritt nach einer Kündigung geht, wird Weiterbildung oft wie eine von vielen Optionen behandelt. Etwas, das man machen kann, wenn man noch nicht genau weiß, was man sonst tun soll oder die Agentur für Arbeit gerade auch keine sinnvollen Jobausschreibungen hat.

Dabei wird übersehen, was sie in bestimmten Situationen tatsächlich leisten kann.

Nicht für alle. Und nicht in jedem Moment.

Aber für viele ist Weiterbildung genau das, was in dieser Phase fehlt: ein Rahmen, in dem sich Dinge sortieren dürfen, die vorher nebeneinander standen. Erfahrungen, die noch kein klares Bild ergeben haben. Fähigkeiten, die da sind, aber noch nicht bewusst eingesetzt werden.

Gerade wenn du nicht am Anfang stehst, geht es selten darum, komplett neu anzufangen. Es geht darum, das, was du bereits mitbringst, in eine Form zu bringen, die für dich und für andere greifbar wird.

Weiterbildung kann dabei helfen, diese Verbindung herzustellen.

Sie schafft einen Raum, in dem du nicht nur neues Wissen aufbaust, sondern dein bestehendes einordnest. In dem du deine Rolle klarer verstehst und benennen kannst. Und in dem du ausprobieren kannst, wie sich diese Rolle in der Praxis anfühlt.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn viele Entscheidungen nach einer Kündigung scheitern daran, dass sie nicht sicher sind, wie sie ihr Wissen und ihre Erfahrung sinnvoll einsetzen können.

Ein strukturierter Lernkontext kann genau hier ansetzen.

Er unterstützt dich dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Er gibt dir Orientierung, ohne dir eine Richtung vorzuschreiben. Und er ermöglicht dir, dich in einem geschützten Rahmen weiterzuentwickeln, bevor du dich wieder im Arbeitsmarkt positionierst.

Es ist eine Form von Vorbereitung. Für einen Schritt, der nicht nur schnell passt, sondern langfristig mit dir wächst.

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